Altes, Neues und die Zukunft

Ende vergangenen Jahres erschien im Memoranda-Verlag die großartige Anthologie Andymonaden, deren Texte sich auf den beliebtesten Science-Fiction-Roman von Angela und Karl-Heinz Steinmüller Andymon aus der DDR beziehen. Das Projekt beschäftigt sich also in der Gegenwart mit der Vergangenheit und denkt davon ausgehend in mögliche Zukünfte. Ein retro anmutender Stil, der gleichzeitig Spuren neuester, fast futuristischer (KI-)Technik aufweist, erschien für die Covergestaltung (die drei Kosmonaut*innen) passend. Zwar empfiehlt es sich, allein schon aus ökologischen Gründen, den Einsatz von KI-Tools bei der Gestaltung möglichst gering zu halten. Wenn aber doch KI, dann aus inhaltlichen Gründen, als Hilfsmittel und nicht alleiniges Gestaltungstool, mit urheberechts-konformer Technik und viel eigener kreativer Arbeit.

Nun erscheint eine zweite Auflage der Anthologie mit neuem Cover und alter Technik, dazu Herausgeber Michael Wehren: „Wenn sich die Erfahrung der Arbeit an einem Buch in die Erfahrung mit den Ergebnissen dieser Arbeit verwandelt, öffnen sich Räume für neue Fragen, Herausforderungen, notwendige Improvisationen, Wege und nicht zuletzt das Privileg einer zweiten Auflage. Diese (…) beinhaltet daher (…) ein neues phantastisches von benSwerk gestaltetes Cover. Es zitiert die Umschlagsgestaltung der ersten Auflage, verzichtet gleichzeitig allerdings mit Rücksicht auf einige Beitragende auf die kreative Mitnutzung KI-generierter Elemente. So ergeben sich auch zwischen den beiden Covern neue Konstellationen von Zukünften, Vergangenheiten und Gegenwarten: »Es ist alles nur ein Anfang.«

Inzwischen wird es immer schwieriger, die Energie-intensive Technik zu vermeiden, da die Grafik-Programme fast schon täglich mit derartigen Neuerungen aufwarten. Auch Anfragen für Neugestaltungen verlangen immer öfters explizit nach einer KI-geprägten Ästhetik. Die Sehgewohnheiten scheinen sich bereits geändert zu haben, die Buchläden sind voll mit dieser Art Coverdesign.

Die neuen Technologien verändern unsere Berufe und unsere Welt. Darin einen Platz zu finden, ist gerade für gestalterische Berufe derzeit ein großes Abenteuer.

Dokus zum Thema:
KI – Konkurrent oder Kollege? (ZDF)
Frisst KI unsere Jobs? (ZDF)
KI – der Tod des Internets (Arte)
Nano-Talk: Neues Arbeiten – zwischen KI, Care und Kapital (wdr)

Ach und: Jippiiii! Ich habe in der Sonderkategorie des Kurd-Laßwitz-Preises für langjährige Leistungen den 4. Platz belegt. Und zwar für die kontinuierliche Gestaltung verschiedener SF-Buchreihen bei Carcosa, Memoranda und Hirnkost. Danke denen, die für mich gestimmt habt. Ich freu mich sehr!

Eine Tür öffnet sich

Bücher sind Türen in neue gedankliche Welten. Deswegen freue ich mich, daß ich das Buch Allein in Raum und Zeit? für Fritz Heidorn gestalten durfte. Es ist mein erstes Buch, das bei Books on Demand zu bekommen ist. Und es ist überaschend gut geworden. Eine Tür tut sich also auf.

Hier aus dem verlockenden Klappentext: Hat die Menschheit eine Zukunft im Universum? Oder haben die Menschen auf der Erde genug zu tun? Macht es Sinn, den Heimatplaneten zu verlassen und nach außerirdischen Intelligenzen zu suchen? Oder sind wir immer nur auf der Suche nach uns selbst? Wie könnte die Zukunft der Menschheit aussehen? Welche Narrative über die Zukunft des Menschen im unendlichen Universum gibt es in der Science Fiction des 21. Jahrhunderts? Fritz Heidorn gibt einen Überblick über kosmologische Narrative der Science Fiction.

Mehr auf: https://zukunftskulturen.de/ (Die Seite lohnt sich auch besonders für die, die die Haltung „Wir brauchen mehr Utopien, damit es nicht so bleibt, wie es ist.“ für sich entdeckt haben)

„Allein in Raum und Zeit“ erscheint im Selbstverlag über BoD und ist in den Formaten Hardcover und E-Book über alle gängige Plattformen bestellbar
ISBN 978-3-6957-3123-7 (Hardcover)
ISBN 978-3-6957-7877-5 (E-Book)

Der Wahnsinn

Juhuu! Ich bin für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert. Und zwar für die kontinuierliche Gestaltung verschiedener SF-Buchreihen bei Hirnkost, Memoranda und Carcosa. Insgesamt ist meine Arbeit nun schon das vierte mal nominiert (zwei mal KLP, zwei mal European Science Fiction Society), ich freue mich außerordentlich. Und auch, wenn es letztes Jahr mit dem großen Preis nicht geklappt hat, so haben doch stolze 179 Leutchen für mich gestimmt. Und allein schon die Nominierung.. Wahnsinn!

Inzwischen ist in bensWerk so einiges zusammengekommen. In letzter Zeit stolpere ich immer öfters in Buchläden über Dinge, die aus meiner Feder stammen. Hier eine kleine Zeitreise durch die Schatztruhen mit vergangenen und (hoffentlich) kommenden Buch-Projekten. Bitte feste Daumen drücken! 😃

(Da es Verlage ja gerade nicht leicht haben, den Carcosa-Verlag könnte man hier unterstützen.)

Das ende eines großen kleinen Verlages

Hirnkost hats erwischt. Der Verlag, mein Verlag, geht in Insolvenz. Ich bin sehr traurig. Nicht nur war es ein großes Vergnügen, für Hirnkost zu gestalten, es war auch sinnstiftend. Die Buchprojekte von Klaus Farin haben Lösungen gesucht und gefunden in Zeiten, in denen wir sie dringend benötigen. Mit dem Verlag stirbt also auch ein wenig konstruktiver Optimismus. Hier ein paar der Bücher, für die ich jüngst Cover gestaltet habe. Mit etwas Glück wird das ein oder andere noch erscheinen.


Aus der mail von Klaus Farin:
In den neunziger Jahren gab es noch über 6.000 unabhängige Verlage in Deutschland – heute sind es nur noch knapp 3.000. Doch zwei Prozent dieser Verlage – Konzerne wie Random House/Bertelsmann und Bastei Lübbe oder Holtzbrinck bei den Fachverlagen – erwirtschaften zwei Drittel des Umsatzes. Romance, TikTok-gefeaturete Young/New Adults und biographische Promi-Bücher sind die Krisengewinnler, unabhängig davon, ob sie von KI oder menschlichen Ghostwritern verfasst wurden. Monat für Monat geben Independentverlage auf, einige wenige „retten“ sich als Imprints in die Arme großer Konzerne. Wenn Ihr ins Impressum der Bücher schaut, werdet Ihr feststellen, dass viele Eurer unabhängigen Lieblingsverlage inzwischen in das Eigentum von Konzernen übergegangen sind. (…)

Ähnlich schlecht geht es dem Buchhandel. Auch hier hat sich die Zahl der unabhängigen, oft familiengeführten Unternehmen halbiert. Heute gibt es nur noch rund 2.600 kleine, unabhängige Buchhandlungen, doch 80 Prozent des Umsatzes wird in den zehn größten Ketten erzielt. Mindestens 20 Buchhandlungen sind allein in 2025 eingegangen, einige wurden von Thalia geschluckt. Die 1713 gegründete A. Stein’sche Mediengruppe, zu der neben mehreren Buchhandlungen auch der Stuttgarter A. Müller Verlag gehört, musste im Oktober in die Insolvenz und wird vermutlich ebenfalls von Thalia übernommen. Die größte evangelische Alpha Buchhandelskette mit 15 Buchhandlungen, 1908 gegründet, musste im Frühjahr in die Insolvenz; einige ihrer Filialen wurden nun ebenfalls von anderen übernommen oder von den Mitarbeiter:innen gerettet. (…)

Wer sich noch mit Hirnkost-Titeln eindecken möchte, sollte dies kurzfristig tun.

Wer gerne tiefer in die aktuelle Verlagslage einsteigen möchten, hier ein Artikel darüber im Spontis-Magazin.

Anti-Dystopien, Utopien und seltsame Erzählungen

Der Herbst weht neue Bücher übers Land. Hier ein paar, die jüngst mit benSwerkscher Gestaltung erschienen sind: Ich freue mich über die 40ste Ausgabe der mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichneten Reihe Das SFJahr. Dieses mal mit dem Themenschwerpunkt „Utopie und ScienceFiction“. Ein Zeitreisender aus der Zukunft namens Felix beschreibt in Übermorgen von Theresa Hannig fröhlich anti-dystopische Zukunftsvisionen. Die wunderbare Anthologie Andymonaden bezieht sich auf einen zu DDR-Zeiten erschienenen, optimistischen Text von Angela und Karlheinz Steinmüller. Basierend darauf erforschen neue Texte mögliche utopische Zukünfte. Und auch Peter Schattschneiders Die Exodus-Verschwörung, RiTokkos Automatenzeitalter und das Lexikon der deutschsprachigen ScienceFiction sind Gehirnöffner, deren Gestaltung mir ein innerer Kürbiskuchen war.

Über die Kunst der Bildsuche

Für viele Cover illustriere ich selbst oder erstelle Collagen. Und auch wenn inzwischen ein wenig KI Einzug in meine Gestaltung gefunden hat, besteht doch noch meistens die Kreativität in guter alter Bildsuche. Dabei ist es wichtig, sich immer wieder zu überraschen und in neue Richtungen zu denken um interessante Symbole für Inhalte zu finden.

Die Suche der Bilder für die im kommenden Jahr erscheinende Kim-Stanley-Robinson-Trilogie im Carcosa-Verlag hat richtig lange gedauert. Nach und nach kristallisierte sich eine Idee, und nach und nach zeigten sich immer passendere (ganz ohne KI erstellte) Bilder in der Stock-Datenbank. Der Autor findets gut: „I like these covers very much!“ Schreibt er. Freut mich sehr. Die Worte von Verleger Hannes Riffel auf dem (sehr lesenswerten) Blog des Carcosa-Verlags auch.

Le-benSwerk

Meine Buchcover-Reihengestaltung ist für den Kurd-Laßwitz-Preis und den ESFS-Award nominiert worden! Immer wieder bekomme ich Fotos der Bücher aus den Buchläden geschickt, unten ein paar davon. Ich feiere und danke herzlich denen, die mich nominiert haben. Hier die Erklärungen für die Nominierungen:

Nominierung Kurd-Laßwitz-Preis: Sonderpreis für langjährige herausragende Leistungen im Bereich der deutschsprachigen Science Fiction 2024: benSwerk – für die kontinuierliche Gestaltung verschiedener SF-Buchreihen bei Hirnkost, Memoranda und Carcosa.
Nominierung European Science Fiction Society: benSwerk arbeitet seit Jahren für Science Fiction Verlage und schafft immer wieder besondere Buchcover. Besonders die aktuellen Covergestaltungen für den Carcosa Verlag zeigen, wie hochwertig und stimmig ganze Buchreihen gestaltet werden können.

Die Verlage Hirnkost, Memoranda und Carcosa sind selbst auch mit verschiedenen Projekten oder im Ganzen nominiert. Zurecht! Mögen sie noch lange ihre gute und wichtige Arbeit tun.

Fortschritt, Fiasko, Aufbruch und Abgrund

Anfang vergangenen Jahres ist Hans Frey verstorben. Jetzt hat Klaus Farin im Hirnkost-Verlag den Sonderband Fortschritt und Fiasko/Aufbruch in den Abgrund von Hans Frey in der Edition Wiederentdeckte Schätze der Science Fiction (mit benSwerkscher Gestaltung) herausgegeben. Das Buch behandelt die Geschichte der deutschsprachigen Science Fiction. Darin beleuchtet der Lehrer, Politiker und Autor die frühen Entwicklungen der Science Fiction vom Vormärz bis zum Ende der Nazizeit und belegt anhand von zahlreichen Literaturbeispielen, wie Mythen der SF den damaligen Zeitgeist abbildeten, aber auch aktiv beeinflussten, wie sie zum Populismus genutzt wurden, wer mutig gegen das System anschrieb und wie das Genre unter dem Zwangskorsett des Naziregimes litt. Eine Schatzgrube an Ideen!
Bestellbar im Kontaktformular hier: https://shop.hirnkost.de/

Der verlassene Wald

Oder: Bücher, die es nie gegeben hat. In den Rauhnächten habe ich das Waldschrat-Cover fertig gemacht. Vergangenen Sommer hat die großartige Autorin das Schreiben jedoch aufgegeben und so wird das Buch wohl nie erscheinen. Der Wald weint. Ich habs dennoch fertiggestellt, wer weiß, vielleicht kommt die Autorin doch irgendwann wieder zum Schreiben. Das Cover wird auf sie und ihren wunderbaren Text warten. Damit das geschehen kann, habe ich den Titel etwas geändert. Ich hoffe sehr, daß sie im Wald ihren Weg zurück finden wird. Möge Gutes wachsen! 🌳🌲💚